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Wiener Geschichten

Folge 4: Von Chinatown bis ins Schweizerhaus

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Diesmal stattet das Team der „Wiener Geschichten“ dem berühmtesten Gastgarten Wiens, dem Schweizerhaus, einen Besuch ab. Jedes Jahr am 31. Oktober schließt das Kult-Gasthaus seine Pforten für die Winterpause und an diesem Tag herrscht Ausnahmezustand in dem Lokal. Die insgesamt 2000 Plätze sind bis auf den letzten gefüllt, schließlich wollen sich die Besucher Bier und Stelze noch einmal so richtig schmecken lassen. Für die Kellner bedeutet das Arbeiten im Akkord, denn je näher die Sperrstunde um 23 Uhr rückt, desto durstiger werden die Gäste. Im Partyzelt nützt ein junger Besucher die Gelegenheit, um seiner Freundin vor Publikum die Frage aller Fragen zu stellen. Ob diese sich wohl einen Heiratsantrag im Bierzelt erträumt hat? Während es im Schweizerhaus traditionell zugeht, findet man rund um den Wiener Naschmarkt das exotische Wien. Hier reihen sich dutzende Asia-Supermärkte neben chinesische Handy-Geschäfte, Friseure und Reisebüros – kein Wunder also, dass die Gegend als das Chinatown Wiens gilt. Das Chinazentrum am Naschmarkt ist einmal pro Woche Treffpunkt für den „Verein für chinesische Frauen“. Die Gründerin und gebürtige Chinesin Xie Feiru bietet für Asiatinnen, die in Wien leben, unter anderem einen Chor an, bei dem gemeinsam Lieder aus der Heimat aber auch jene von deutschsprachigen Komponisten gesungen werden. Außerdem gibt es einen privaten Sprachkurs, der den Frauen mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit der deutschen Sprache und der österreichischen Kultur geben soll. In kleiner Runde sprechen die Chinesinnen offen darüber, warum sie sich, trotz Heimweh, mittlerweile nicht mehr vorstellen könnten, zurück nach China zu gehen. Nicht nur die asiatische Welt ist rund um den Naschmarkt zu Hause, zu später Stunde entwickelt sich die Gegend auch zu einem El Dorado für Nachtschwärmer. Vor allem für Wiens Schwulen-Community sind die Lokale rund um das Marktgebiet ein beliebter Treffpunkt. In der Bar „Red Carpet“ versucht man das Publikum regelmäßig mit Themenabenden zu unterhalten, diesmal wird der Schulschluss gefeiert. Jeder Gast bekommt ein Zeugnis ausgehändigt und wird für einen Einser mit einem Gratisgetränk belohnt. Bei einem Fünfer wartet Bestrafung in Form eines Klapses auf den Hintern mit einem Kochlöffel. Da versieht manch ein Gast sein Zeugnis selbst noch schnell mit ein paar zusätzlichen schlechten Noten…

Reportage | A 2014